Unsere Meere: Lebensraum oder Rohstofflieferanten? Ein Gespräch mit Jan Pingel vom Ozeanien-Dialog

Anlässlich der Installation des Wandbildes zum SDG 14 „Life Below Water“ von Gazellah Bruder Papua Neuguinea)  baten wir den Politikwissenschaftler Jan Pingel vom Ozeanien-Dialog um seine Einschätzung und einen fachlichen Kommentar zu ihrem Motiv.

Jan Pingel ist Advocacy- und Kampagnenreferent beim Ozeanien-Dialog. Ein thematischer Schwerpunkt seiner Arbeit ist der Tiefseebergbau, insbesondere in Ozeanien.  Als Teilnehmer unseres Fachgesprächs zum SDG 14 auf der Flussschifferkirche im Oktober 2025 hat er die Entwicklung des Bildmotivs  begleitet.

 Vielen Dank für dein Interesse und deine inhaltliche Begleitung des SDG 14-Motivs, Jan!  Jetzt ist das Bild an der Wand – mitten in Hamburg! Wie ist dein Gesamteindruck von dem Wandbild, wie gefällt es dir?
Mich spricht die Entschlossenheit an, die durch das Bild vermittelt wird. Es ist eine klare, aktivistische Bildsprache, die deutlich macht, dass sich Mensch und Natur gegen Ausbeutung und Zerstörung durch Tiefseebergbau wehren.

Welche Botschaften gehen für dich von Gazellah Bruders Bild aus?
Für mich unterstreicht das Motiv die Kernaussage pazifischer Kampagnen gegen Tiefseebergbau: not wanted, not needed, not consented!

Kannst du uns das Thema noch ein bisschen mehr erläutern, bitte? Warum ist der Schutz mariner Ökosysteme so wichtig? Weshalb braucht es diesen Aufruf zum Widerstand, den Gazellah Bruder in ihrem Bild so eindringlich rüberbringt?  
Zur Erreichung von globaler Ressourcen- und Klimagerechtigkeit kommt dem konsequenten Schutz mariner Ökosysteme und ihrer Funktionen eine Schlüsselrolle zu – dies gilt insbesondere für die pazifische Inselwelt. Denn gesunde Meere sind eine essentielle Grundlage pazifischer Lebensweisen und untrennbar mit Klima, Biodiversität, Wirtschaft, Gesellschaft und Spiritualität verbunden. Kommt man mit Menschen in Ozeanien ins Gespräch über (Tiefsee-)Bergbau, Überfischung oder die Klimakrise, wird einem schnell die eigene, europäische Verantwortlichkeit und Verantwortung klar. Unmittelbare Gefahren für Ernährungssicherheit und lokale Entwicklung (nicht nur) in diesem Teil der Welt sind die Kehrseite eines nach wie vor kaum gebremsten Ressourcenverbrauchs in den Industriestaaten.
Küstengemeinschaften, NGOs, Verbände und Kirchen in Ozeanien, darunter die Alliance of Solwara Warriors in Papua-Neuguinea oder der zivilgesellschaftliche Zusammenschluss Blue Line Collective, haben dies erkannt und fordern ein weltweites Verbot von Tiefseebergbau.
Von ihrem Widerstand und Kampagnen ist es abhängig, ob es gelingt, den Tiefseebergbau zu stoppen. Hierfür brauchen unsere Partner:innen in Papua-Neuguinea, Tonga, Fidschi und den Cook Inseln weiterhin internationale Unterstützung vor allem aus denjenigen Ländern, aus denen das Kapital, die Technologien und der überhöhte Ressourcenverbrauch kommen, ohne die Tiefseebergbau nicht kurz davor wäre, bedrohliche Realität zu werden.

Wie ordnest du das Motiv und das Thema „Tiefseebergbau im Pazifik“, in den Gesamtkontext des SDG 14 „Leben unter Wasser“ ein? 
Der Abbau von Rohstoffen am Meeresgrund birgt viele Gefahren und verletzt mehrere der Grundsätze, die in den Zielen für nachhaltige Entwicklung von der internationalen Staatengemeinschaft formuliert wurden.
Betrachtet man die negativen Auswirkungen an Land, die Umweltzerstörung durch Aufbereitung von Rohstoffen und Umweltunfälle, kann die konsequente Umsetzung der Ziele für nachhaltige
Entwicklung nur eines bedeuten: Kein Tiefseebergbau, keine Rohstoffgewinnung in schon heute überlasteten Ozeanen! Die Lösung unseres Rohstoff- und Konsumhungers muss an Land gefunden werden und eine konsequente und umfassende Verbrauchsreduktion
beinhalten. Zudem braucht es eine globale Wirtschafts- und Klimapolitik, die ökologische und soziale Belange ins Zentrum rückt.

Du findest es absolut richtig, dass eine Künstlerin aus Papua Neuguinea dieses Motiv zum SDG 14 entwickelt und umgesetzt hat… 
Ja, genau! Ohne das diplomatische und aktivistische Engagement der Pazifischen Inselstaaten hätte es das SDG14 niemals gegeben. Daher ist es nur passend, dass das Wandbild von einer Künstlerin aus dieser Region angefertigt wurde.

Vielen Dank, Jan!

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