Motivation

Posted on by

Nach einer sehr trockenen und „ausgesessenen“ Diskussion über Bildung, nachhaltige Entwicklung, SDGs und politische Forderungen an Entscheidungsträger*innen in Hamburg saßen wir, zwei Kolleginnen aus dem Globalen Lernen, mit einem Glas Rotwein zusammen und ließen unseren Gedanken und Fragen freien Lauf: 

Wie können wir mehr Lebendigkeit und Kreativität in die Bildung für nachhaltige Entwicklung bringen? Wie unsere Diskussionen in den öffentlichen Raum tragen, raus aus den engen Zirkeln und geschlossenen Räumen von politischen Veranstaltungen, Fachtagen und Seminaren, in denen sich Beteiligte ihre Meinungen gegenseitig bestätigen oder ihre unterschiedlichen Positionen vor die Füße werfen? Wie der akademischen Sezierung von polit-ökonomischen Verhältnissen oder den zukunftspessimistischen Klagen entgehen und stattdessen uns mit Wagemut, Zuversicht und Humor daran machen, Herz und Verstand für mögliche und unmögliche Zukunftsszenarien zu öffnen? Was berührt Menschen mit  unterschiedlichsten Wissens-, Erfahrungs- , Arbeits- und Lebenskontexten, wenn es darum geht, gleichberechtigt zu klären, in welcher Welt wir und unsere Kinder leben wollen und welche Entscheidungen und Handlungsschritte dahin führen?

Die SDGs formulieren dazu umfassende Zielvorgaben: Armut und Hunger beenden, Klima retten, Ungerechtigkeit abschaffen, Menschen- und Kinderrechte verwirklichen u.v.m. Doch ohne ein breites Engagement, eine aktive Mitgestaltung und umfassende Teilhabe der Zivilgesellschaft und ohne ein tiefgehendes Gefühl des Betroffen- und Gemeint-Seins, das viele Menschen erfassen muss, ist die Verwirklichung solch großer Ziele nicht möglich.

Dabei sehen wir die SDGs keineswegs unkritisch – ganz im Gegenteil! Wir erkennen die Unvereinbarkeit und Widersprüchlichkeit einzelner Ziele, die in ihnen immer noch propagierte zerstörerische Wachstumsideologie und teilen die Kritik vom Dachverbands der Entwicklungspolitischen Nichtregierungsorganisationen (VENRO), dass „…die strukturellen Ursachen von Armut und sozialer Ungleichheit, die durch das globale Wirtschafts-, Finanz- und Handelssystem begünstigt werden, (…) nicht ausreichend benannt (werden). Und grundlegende Zielkonflikte wie der zwischen weiterem Wirtschaftswachstum und der Endlichkeit der natürlichen Ressourcen (…) bestehen (bleiben).“

Genau darüber möchten wir mit unserem Projekt ins Gespräch kommen, Impulse setzen, Ideen austauschen. Nicht als Expertinnen, sondern als zwei Frauen, die sich vor einem unterschiedlichen Lebenshintergrund seit fast zwei Jahrzehnten mit globalen Themen im Bildungsbereich auseinandersetzen und auch an einen Punkt der gewissen Ratlosigkeit angelangt sind.

Der Wechsel zu einer sozial gerechten und ökologisch verantwortlichen, nachhaltigen Entwicklung erscheint uns im Kern als eine kulturelle Aufgabe.  Kulturell bedeutet für uns die Gesamtheit der menschlichen Ausdruckspotentiale, eine alle Sinne umfassende Interaktion mit der lebendigen und materiellen Mitwelt. Kunst und kreative Gestaltung  können, so hoffen wir, Katalysator sein für unbefangene Sichtweisen auf neue Entwicklungsperspektiven, welche die Diskussion um die globalen Nachhaltigkeitsziele dringend braucht.