
20. Juni 2026: Der erste Samstag im Sommer, 30° im Schatten und dann unterwegs mit Gesprächsangeboten zum SDG 8 in der Fußgängerzone von Neugraben – da hatte sich die Intiative Neugraben Fairändern einer fast gesundheitsgefährdenden Herausforderung gestellt: die Menschen liefen mit mehr oder weniger gefüllten Einkaufstaschen vorbei und nur wenige wollten in Diskussionen über nachhaltiges Wirtschaftswachstum (so das Thema von SDG 8) verwickelt werden. Das passende Globalgoals-Banner von dem Hamburger Street Artisten LAPIZ – der an dem Tag auch anwesend war – war ein paar Tage zuvor an der Fassade des Kaufland-Gebäudes installiert worden. In Zeiten von knappen Budgets, realen oder drohenden Kürzungen von Sozialleistungen und steigenden Lebenshaltungskosten war die Frage nach ihren persönlichen Vorstellungen von Wohlstand für manche Menschen fast eine Provokation. Andere hingegen kamen bei der Frage sofort engagiert mit Ideen: „vernünftige Vermögenssteuer einsetzen“, „wer mehr hat, muss auch mehr zahlen“, „Bildung und ausreichende Gesundheitsversorgung für alle“, „Zwei-Klassen-Gesellschaft abschaffen…“ so lauteten einge der Vorschläge.
Beim Kauf von Fair Trade Produkten, einem Ratespiel oder dem Drehen des Glücksrads ließen sich etliche Passant:innen in Gespräche einbeziehen. Danke an unsere engagierten Kooperationspartner:innen von Neugraben Fairändern und den Studierenden von STUBE Nord, dass sie das schwierige Thema des SDG 8 nach Neugraben tragen.

Uns zog es weiter in die Honigfabrik in Wilhelmsburg, wo am selben Tag der syrische Künstler und Bildhauer Khaldoun Shadoud zu einem Skulpturalen Workshop unter dem Titel „The inner shape of personality“ eingeladen hatte. Gestaltungsmittel: mehrere Klumpen frischer Ton. Das Thema: „Frieden“. Die Ausgangsthese: „Ohne inneren Frieden kann es keinen äußeren Frieden geben.“ Der Workshop war Teil der Entwicklung des nächsten Wandbildmotivs zum SDG 16: „Frieden, Gerechtigkeit und starke Institutionen“, das von Khaldoun Shadoud gestaltet und im August installiert wird.
Workshop mit Khaldoun Shadoud in der Honigfabrik
Welche Form haben unsere Erfahrungen? Wie prägen Erlebnisse unsere Persönlichkeit? Mit diesen und weiteren Fragen beschäftigten sich die Teilnehmenden des Workshops. Ausgangspunkt des Workshops war die Einladung, sich den eigenen Erinnerungen, Erfahrungen und Gefühlen auf kreative und freie Weise anzunähern. Statt nach „richtigen“ Antworten zu suchen, standen der individuelle Ausdruck und das Erleben im Mittelpunkt.
Die Teilnehmenden arbeiteten mit Tonblöcken und entwickelten daraus persönliche Formen und Figuren. Unter der Anleitung von Khaldoun Shadoud lernten sie verschiedene Werkzeuge und Techniken der Tonbearbeitung kennen.
Abseits technischer Regeln lud der skulpturale Prozess aber vor allem dazu ein, vorgefasste Urteile über individuelle vergangene Erfahrungen zu überwinden und physisch umzugestalten: als Ausgangspunkt für Selbstversöhnung und den Aufbau von inneren Frieden – eine Voraussetzung für den Frieden mit anderen Menschen und der natürlichen Mitwelt, kurz: für eine friedliche Welt.
In den Gesprächen der Teilnehmenden zeigte sich, dass und wie dieser „friedensstiftende“ Impuls für jede:n auf individuelle und eigene Weise während des Workshops entstand. Da es sich dabei um sehr persönliche Erfahrungen und Bezüge handelt, können die Gesprächsinhalte hier nicht wiedergegeben werden.
Weitere Rückmeldungen der Teilnehmenden:
„I really appreciated your workshop, it was very nice. I thought it was nice and refreshing how your introduction made me think twice about every movement and deformation with the clay and also backwards, how everything I did could be related to something I’ve experienced before.“„
Working on something without focusing on the thing I am creating was a really freeing experience. I felt very inspired and very agitated by the concept.“
Der Workshop bildete einen Ausgangspunkt für die künstlerische Auseinandersetzung mit dem SDG 16: Frieden, Gerechtigkeit und starke Institutionen, zu dem Khaldoun Shadoud derzeit das nächste Wandbild gestaltet. Es wird Anfang September am Neuen Kamp 32 zu sehen sein.


