Das SDG 14: Leben unter Wasser

Unsere Meere sind unsere Lebensgrundlage

Über 70% der Erdoberfläche sind von Meeren bedeckt, unsere Meere absorbieren circa 23% der jährlichen, menschengemachten CO2-Emissionen, sie regulieren unser Klima und unseren Sauerstoffhaushalt. Die Menschen profitieren seit jeher von den Meeren, sie ernähren uns und sichern Millionen von Menschen die Existenz. Der Schutz der Meere ist daher kein Randthema, sondern eine Voraussetzung für unsere Zukunft auf der Erde. Somit kann man behaupten, dass das SDG 14: Leben unter Wasser und damit der Schutz dieses einzigartigen Lebensraumes, eins der zentralen Nachhaltigkeitsziele ist. 

Doch trotz unterschiedlichster nationaler und internationaler Bemühungen sind sie bedroht. Nur 8,4% der Weltmeere sind als Meeresschutzgebiete ausgewiesen, weit entfernt vom Ziel von 30% bis 2030. Die Ozeanerwärmung und -versauerung schreitet voran, Überfischung und Vermüllung nehmen zu und nicht zuletzt drohen durch den Tiefseebergbau unkalkulierbare ökologische Gefahren (siehe SDG-Bericht 2025 der Vereinten Nationen und Broschüre zum Schutz der Tiefsee des Bundesamt für Naturschutz).

Das SDG 14: Leben unter Wasser ist eng mit vielen anderen Nachhaltigkeitszielen verknüpft. Ohne gesunde Meere sind kein Klimaschutz (siehe SDG 13: Maßnahmen zum Klimaschutz), keine Ernährungssicherheit (siehe SDG 2: Ernährung sichern) und keine Armutsbekämpfung (siehe SDG 1: Armut beenden) möglich. Auch das SDG 12: Nachhaltig produzieren und konsumieren und das SDG 15: Leben an Land stehen in direkter Wechselwirkung mit dem Zustand der Weltmeere. Diese Synergien zwischen den SDGs zeigen deutlich: Meeresschutz ist kein isoliertes Umweltanliegen, sondern ein gesamtgesellschaftliches Zukunftsthema. Politische Maßnahmen müssen daher sektorübergreifend, global gerecht und langfristig orientiert gedacht werden.

Einfluss kolonialer Machtverhältnisse

Im offiziellen Wortlaut des Nachhaltigkeitsziels SDG 14: Leben unter Wasser wird der Zusammenhang zwischen dem Zustand der Meere und der Geschichte der Kolonialisierung kaum thematisiert. Zwar wird auf globale Ungleichheiten verwiesen, doch deren historische Ursachen bleiben weitgehend unerwähnt.

Die heutige Nutzung der Meere ist allerdings historisch eng mit der Kolonialisierung verknüpft. Unsere Weltmeere wurden über Jahrhunderte als Transportwege, Rohstofflieferanten und Räume unbegrenzter Aneignung betrachtet – ohne Rücksicht auf ökologische Grenzen oder die Rechte indigener Bevölkerungen. Koloniale Machtverhältnisse prägen diese Sichtweise bis heute und zeigen sich auch in aktuellen Formen der Ausbeutung (siehe folgender Artikel in „Maritime Studies“ auf Englisch).

Besonders deutlich wird dies in der Debatte um den Tiefseebergbau: Rohstoffe aus internationalen Gewässern sollen für die Energiewende gewonnen werden, obwohl die ökologischen Risiken enorm sind und vor allem Länder des Globalen Südens die Folgen tragen würden. Diese Zusammenhänge zeigen sich auch im Inselstaat Papua Neuguinea, dem weltweit ersten Staat, in dem Tiefseebergbau offiziell genehmigt wurde (weitere Informationen: Wikipedia-Artikel zu „Deep sea mining“ oder Stellungnahme des Pazifik Netzwerk Vorstands Eckart Garbe zum Weltspiegel 2024) und gleichermaßen die Heimat der Künstlerin Gazellah Bruder, die das oben abgebildete Wandbild zum SDG 14 gestaltet hat.

Was bedroht unsere Meere?

Überfischung
Überfischung ist eine der größten direkten Bedrohungen für das Leben im Meer. Über 35% der weltweiten Fischbestände gelten als überfischt, weitere sind bis an ihre biologischen Grenzen genutzt. Industrielle Fangflotten, oft subventioniert durch staatliche Gelder, entziehen den Meeren mehr Biomasse, als sich natürlich regenerieren kann. Besonders problematisch ist dabei der Beifang: Millionen Tonnen nicht-zielgerichteter Arten – darunter Meeresschildkröten, Haie und Seevögel – sterben jedes Jahr unnötig. Die sozialen Folgen sind ebenso gravierend. Während industrielle Fischerei profitiert, verlieren kleine Küstenfischereien ihre Lebensgrundlage. Der Anteil der überfischten Bestände steigt weiter um etwa 1% pro Jahr, weshalb eine wirksamere Fischereibewirtschaftung dringend notwendig ist (siehe SDG-Bericht 2025 der Vereinten Nationen und Website des WWF zum Thema Überfischung).

Verschmutzung, Schadstoffe, Müll und versenkte Munition im Meer
Auch die Verschmutzung mit Schadstoffen und die Vermüllung der Meere sind ein großes Problem der Meeresumwelt. Über eine Vielzahl von Wegen gelangen sie in die Meere und reichern sich in Sediment und Meereslebewesen an. Dazu kommt, dass allein in der deutschen Nord- und Ostsee rund 1,6 Millionen Tonnen konventioneller Munition und 5.000 Tonnen chemischer Kampfstoffe versenkt wurden (Link zu Erklärfilm vom Bundesamt für Naturschutz). Diese Altlasten gefährden Meereslebewesen, den Schiffsverkehr, die Fischerei, den Tourismus sowie die Sicherheit von Menschen an den Küsten und erschweren den Ausbau von Offshore-Anlagen. Ein weiteres Symbol der globalen Plastikverschmutzung der Meere sind gigantische Müllstrudel in den Meeren, darunter ist auch der sogenannte Great Pacific Garbage Patch. Er befindet sich im Nordpazifik zwischen Kalifornien und Hawaii und umfasst eine Fläche von schätzungsweise 1,6 Millionen km². 

Schifffahrt & Tourismus
Rund 90% des Welthandels werden über die Meere abgewickelt, was zu einer starken Zunahme von Schiffsverkehr, Lärm, Schadstoffemissionen und Unfallrisiken führt. Schwerölbetriebene Schiffe stoßen große Mengen an CO₂, Stickoxiden, Schwefeloxiden und Rußpartikeln aus, die nicht nur das Klima belasten, sondern auch zur Versauerung der Meere beitragen. Unterwasserlärm stört zudem die Kommunikation, Orientierung und Fortpflanzung vieler Meeressäuger, insbesondere von Walen und Delfinen. Zusätzlich gehen jährlich tausende Container über Bord, oft beladen mit Kunststoffprodukten, Chemikalien oder Gefahrstoffen (siehe Website des Umweltbundesamtes: Seeschifffahrt). Der Küstentourismus ist für viele Regionen der Welt eine wichtige Einnahmequelle. Der Bau von Hotels, Kreuzfahrtterminals und Freizeitanlagen zerstört aber häufig Küstenökosysteme wie Mangroven, Seegraswiesen und Korallenriffe. Kreuzfahrtschiffe verursachen zusätzlich hohe Emissionen, Abwässer und Müll – oft in sensiblen Meeresgebieten.

Klimakrise: Meeresschutz bedeutet Kimaschutz und Klimaschutz schützt die Meere
Der Ozean absorbiert etwa 90% der durch Treibhausgase gebundenen überschüssigen Wärme und ist damit der größte Wärmespeicher des Planeten. Die Ozeanerwärmung hat sich seit 2005 mehr als verdoppelt und soll im Laufe des Jahrhunderts weiter ansteigen, selbst wenn es künftig weniger Emissionen gibt. Die Erwärmung führt zu ausgedehnten und oft irreversiblen Schäden an den marinen Ökosystemen. Korallenriffe – Lebensraum für ein Viertel aller Meereslebewesen und Lebensgrundlage für etwa eine Mrd. Menschen weltweit –
sind sehr belastet (Hauptursache: klimawandelbedingter Anstieg der Meerestemperatur). Die Welt befindet sich inmitten einer vierten globalen Korallenbleiche – der bisher umfangreichsten und intensivsten seit Beginn der Aufzeichnungen. Zwischen Januar 2023 und Mai 2025 litten weltweit 84% der Riffe in 83 Ländern und Gebieten unter Hitzestress und daraus folgender Bleiche.
Die auf den ersten Blick positiv erscheinende Eigenschaft der Meere, menschengemachtes CO2 aufzunehmen, hat riskante Folgen für das Ökosystem Meer. Mit der verstärkten Aufnahme von CO2 sinkt der pH-Wert des Meerwassers, dadurch wird es saurer. Das wiederum beeinflusst die Meereslebewesen in ihrer Entwicklung (siehe SDG-Bericht 2025 der Vereinten Nationen, Website des Umweltbundesamtes zum Thema Ozeanversauerung durch CO2 und Factsheet des Helmholtz Zentrums „Ozeane und Klima“).

Rohstoffausbeutung und Biodiversitätsverlust
Wie weiter oben bereits erwähnt, gilt der Tiefseebergbau als unkalkulierbare Gefahr für die Tiefsee. In mehreren tausend Metern Tiefe lagern Manganknollen, Kobaltkrusten und Massivsulfide, die Metalle für Batterien, erneuerbare Energien und Digitalisierung enthalten. Befürworter argumentieren, diese Rohstoffe seien notwendig für die Energiewende. Die Tiefsee ist einer der am wenigsten erforschten Lebensräume der Erde. Viele dort lebende Arten wachsen extrem langsam und sind hochspezialisiert. Der Abbau würde Lebensräume zerstören, Sedimentwolken freisetzen und Nahrungsnetze langfristig schädigen. Dennoch drängt die Industrie auf schnelle Genehmigungen. Im Sinne des Vorsorgeprinzips fordern immer mehr Staaten und Organisationen ein Moratorium für den Tiefseebergbau. Weitere Informationen zum Tiefseebergbau sind hier zu finden.
Auch der Öl- und Gasabbau sowie der Ausbau von Offshore-Windkraftanlagen belasten die Meere auf verschiedene Weise: Öl- und Chemieunfälle verschmutzen Wasser und Sedimente, Lärm und Vibrationen stören marine Lebewesen, der Bau von Anlagen verändert Lebensräume. Auch Offshore-Windparks können empfindliche Küstenökosysteme beeinträchtigen, insbesondere durch Fundamentbau, Kabelverlegung und veränderte Strömungsverhältnisse (siehe Website des Bundesamt für Naturschutz).

Folgendes Video fasst alles wissenswerte zur Lage unserer Meere und Ozeane anschaulich zusammen („WissensWerte: Meere und Ozeane“):

Meerespolitik

Nationale Interessen, wirtschaftlicher Druck und geopolitische Machtverhältnisse erschweren einen wirksamen Schutz der Ozeane. Die wirtschaftliche Nutzung – Fischerei, Schifffahrt, Rohstoffabbau – hat meist Vorrang vor Naturschutz. Doch eine funktionierende Politik zum Schutz unserer Meere zu etablieren, ist unerlässlich. Wie so eine Vision aussehen kann, zeigt beispielsweise Deepwave e.V. anschaulich in einem Policy Brief zu Meerespolitk 2025 – Eine Zukunft für Meer und Mensch.

Mit dem UN-Hochseeschutzabkommen, das am 17. Januar 2026 in Kraft trat, existiert erstmals ein verbindliches globales Regelwerk zum Schutz der Hohen See. Es ermöglicht Meeresschutzgebiete in internationalen Gewässern und verpflichtet zu Umweltprüfungen bei wirtschaftlicher Nutzung. Auf EU-Ebene ergänzt der EU-Ozeanpakt (2025) diese Bemühungen, indem er Meeresschutz und nachhaltige Nutzung stärker verknüpfen soll. Ergänzend wirken regionale Abkommen wie OSPAR (Nordostatlantik) und HELCOM (Ostsee). Die EU-Richtlinie zu Einwegkunststoffen (2019) und das geplante UN-Plastikabkommen zielen darauf ab, den massiven Plastikmüll-Eintrag in die Meere zu reduzieren. Ob diese Abkommen wirksam sind, entscheidet sich letztlich an ihrer konsequenten Umsetzung. Ergänzend sind die EU-Meeresstrategie-Rahmenrichtlinie (MSRL) und die EU-Wasserrahmenrichtlinie zentrale Instrumente für den Meeresschutz in Europa. International bildet das UN-Seerechtsübereinkommen (UNCLOS) die rechtliche Grundlage aller Meeresabkommen.

Was können wir für den Schutz unserer Meere tun?

Initiativen, die zu gemeinsamen Müllsammelaktionen aufrufen (in und um Hamburg):

Auch immer sinnvoll: umweltbewusster Verzehr von Fisch und Meeresfrüchten

Oder ein Verzicht auf Plastik:

Weitere Möglichkeiten, sich zu informieren und zu engagieren:

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