Die Story zum SDG 14: Leben unter Wasser
Ohne das Engagement der Menschen von den pazifischen Inselstaaten würde es kein SDG 14 geben
Für uns Hamburger:innen, die zwischen Nord- und Ostsee leben, wäre es im wahrsten Sinne naheliegend gewesen, das SDG 14 „Leben unter Wasser“ auf diese beiden Meere zu beziehen. Doch es ist dem Druck der Inselstaaten im Pazifik zu verdanken, dass dieses SDG überhaupt zustande gekommen ist. Deshalb suchten wir nach Verbindungen in diese Region und nach einer Künstlerin aus dem Pazifikraum … und wir haben sie gefunden: dem Pazifik Netzwerk Hamburg sei Dank!
Der Verein möchte die politischen, wirtschaftlichen, sozialen, ökologischen und kulturellen Gegebenheiten der pazifischen Inselwelt und der Inselwelt Ozeaniens sowie die Stimmen von zivilgesellschaftlichen Akteur:innen aus dieser Region einer möglichst breiten Öffentlichkeit im deutschsprachigen Raum bekannt machen. Die Hamburger Ethnologin Marion Struck-Garbe arbeitet seit vielen Jahren im Pazifik Netzwerk Hamburg und unterstützt insbesondere Künstlerinnen in Papua-Neuguinea, wo sie viele Jahre gelebt hat.
Bis Mitte der 90er Jahre gab es in ganz Papua-Neuguinea (PNG) nur eine Handvoll Künstlerinnen, deren Schaffen öffentlich vollends ignoriert wurde. Im Unterschied zu ihren männlichen Künstlerkollegen hatten sie keine Chance, ihre Werke in Galerien, Shops oder bei öffentlichen Veranstaltungen zu präsentieren. Das änderte sich allmählich ab 1998, als Marion Struck-Garbe die erste Kunstausstellung in PNG initiierte, die ausschließlich Werke von lokalen Künstlerinnen zeigte. In den Folgejahren fanden die Arbeiten weiblicher Kunstschaffenden aus PNG nach und nach ihren Weg auch in internationale Fachpublikationen sowie in Ausstellungen in Australien und Europa.
Wir fragten beim Pazifik Netzwerk nach Verbindungen – und hatten Glück! Gazellah Bruder, eine der derzeit bekanntesten Künstlerinnen PNGs, kam als Teilnehmerin des „Leipzig in Arts“-Programme im Sommer 2025 für drei Monate nach Deutschland. Damit bot sich für uns die einmalige Gelegenheit, direkt mit einer renommierten Künstlerin aus dem Pazifikraum an der Entwicklung des Wandbildmotivs zum SDG 14 zu arbeiten.
Restitution for the Ocean
Die Einladung zur Teilnahme am Projekt globalgoals.hamburg erwiderte Gazellah Bruder umgehend: „To have my work featured on a public mural is one of my greatest dreams I have always imagined my work on the side of a high-rise building. I accept this once in. I am touched by this amazing opportunity.“ Und so nahm die Arbeit zum SDG 14-Motiv schnell Fahrt auf.
Ad hoc entstanden angeregte und emotionale Diskussionen über das Thema und darüber hinaus – online und in Präsenz. Ideen wurden entwickelt und verworfen, unterschiedliche Aspekte des SDG 14 besprochen. Gazellah war eine unerschöpfliche Quelle von kreativen Ideen und thematischen Verknüpfungen. Neben ihrem Fokus auf das Leben von Frauen in PNG, versteht sie sich als politische Umweltaktivistin und befasst sich mit den Folgen von ökologischer Zerstörung, Klimawandel und dem Lebensraum Meer. Es bot sich an, das Thema ihres Arbeitsaufenthaltes De-Kolonisierung und Identität teilweise mit dem SDG 14 zusammen zu denken. So diskutierten wir den Raubbau an den maritimen Ressourcen auch im Kontext kolonialer Geschichte und heutiger De-Kolonisierungsbestrebungen. Bald kristallisierte sich für Gazellah ihr besonderer Fokus heraus: Restitution for the Ocean sollte die Botschaft ihres Motivs lauten.
Bei einem Besuch in ihrem Leipziger Atelier bekamen wir einen weiteren Eindruck von ihrem Gesamtwerk und erhielten in zwei Podiumsdiskussionen einen Einblick in Gazellahs Selbstverständnis als Künstlerin, politische Aktivistin und Mutter mit Tolai- und Mekeo-Vorfahren.

Fachgespräch auf der Elbe
Es folgten weitere Diskussionen mit Kolleg:innen und Mitarbeiter:innen aus unterschiedlichen Arbeitsbereichen. Skizzen, Ideen und Fragen wurden hin und her geschickt, bis ein Entwurf für das Bildmotiv vorlag. Um diesen vorzustellen, luden wir Fachleute und Meeresaktivist:innen, Street Artists, Vertreter:innen vom Pazifik Netzwerk und weitere Interessierte zu einem Fachgespräch in die Hamburger Flussschifferkirche. Und so wurde passenderweise auf einem Schiff auf der Elbe das Motiv zum „Leben unter Wasser“ inhaltlich finalisiert. Es bestand Einigkeit: Gazellahs Motiventwurf war ein starker und notwendiger Call for Action gegen die Zerstörung des maritimen Lebensraumes.
Den Hintergrund ihres Bildes erstellte Gazellah mit Pinsel und Farbe auf Papier. Auf dem gescannten Farbuntergrund entwickelte sie anschließend digital das weitere Motiv. Und während die Wandbildplane mit ihrem Motiv bei eisigen Temperaturen in Hamburg installiert wurde, war Gazellah bereits seit Monaten wieder zurück in der sommerlichen Hitze von Port Moresby!
An dieser Stelle folgt bald außerdem ein Podcast, der die Hintergründe zur Entstehung von Gazellahs Wandbild genauer erläutern wird…