Frieden ist ein Zustand ohne Gewalt, Ausgrenzung und Unterdrückung, ein geschützter Raum, in dem Menschen in Sicherheit und Freiheit, ohne Angst und in gegenseitigem Respekt leben können und in dem ihre Rechte und ihre Würde geschützt werden.
Das deutsche Wort „Frieden“ (aus althochdeutsch fridu/frithu) bedeutete ursprünglich „Schutz“, „Schonung“, „Sicherheit“, „Freundschaft“ oder „Versöhnung“. Es verweist damit auf die umfassende existenzielle Bedeutung des als „Frieden“ beschriebenen Zustandes. Er begegnet uns in Begriffen wie einfrieden, friedfertig, befriedigen, Zufriedenheit, Haus- oder Landesfriedensbruch und im Friedhof – wo der Mensch Frieden in Ewigkeit findet. Auf individueller Ebene wird vom Seelenfrieden gesprochen: einem Zustand ganzheitlichen Wohlbefindens, von Sicherheit und Verbundenheit, im Einklang mit sich und der Umgebung. Hierzu gehört auch der Frieden zwischen Mensch und Natur.
Frieden als Weg
Politische Ruhe allein bedeutet noch keinen Frieden, denn auch autoritäre Systeme können oberflächlich stabil und ruhig erscheinen. Wo Meinungsfreiheit unterdrückt, Opposition verfolgt oder Minderheiten diskriminiert werden, besteht nur ein scheinbarer Frieden, unter dessen Oberfläche Gewalt und Unfreiheit herrschen. Die bloße Abwesenheit von Krieg und direkter Gewalt wird in der Friedensforschung (nach Johann Galtung, 1996) als negativer Frieden bezeichnet. Ein positiver Frieden dagegen bedeutet die weitgehende Abwesenheit von struktureller Gewalt und Ungerechtigkeit. Er beschreibt einen gesellschaftlichen Zustand, in dem Bürger:innen die Chance haben, gerecht und gleich behandelt zu werden – ohne Unterdrückung, Diskriminierung oder politische Willkür.
Deshalb sind demokratische Teilhabe, Gewaltenteilung, Meinungs- und Informationsfreiheit, unabhängige Justiz, freie Medien und eine aktive Zivilgesellschaft ebenso wichtig für dauerhafte Friedensordnungen wie eine politische Kultur der gewaltfreien Konfliktlösung und die Beseitigung von Hunger und Armut. Die alleinige Abwesenheit von Krieg oder militärischer Gewalt wird heute auch als „Unfrieden ohne Krieg“ bezeichnet – und damit bewusst nicht mit Frieden gleichgesetzt. Denn: „Not ist Konflikt. Wo Hunger herrscht, ist auf Dauer kein Friede. […] Wer den Krieg ächten will, muss auch den Hunger ächten“ (Willy Brandt, 1973, UNO)
Die Menschheitsgeschichte hat gezeigt, dass Frieden kein Urzustand, aber auch keine Utopie ist. Er ist ein Weg und zugleich ein Ziel, das immer wieder ausgehandelt, geschützt, verteidigt und gegebenenfalls erkämpft werden muss. Frieden ist eine gesellschaftliche und persönliche Aufgabe. Ohne ihn gibt es kein menschenwürdiges Leben, keine echte politische Teilhabe und keine nachhaltige Entwicklung.
Friedenspolitik kann sich deshalb nicht auf militärische Sicherheitsmaßnahmen beschränken, sondern muss die Ursachen gewaltsamer Konflikte angehen: soziale Ungleichheit, Korruption, Ressourcenknappheit, fehlende Informationsfreiheit, die Missachtung von Menschenrechten, mangelnde Rechtsstaatlichkeit und ungleiche Bildungschancen.

Frieden beginnt mit einem Gespräch
Jenseits internationaler Regelwerke und politischer Institutionen entsteht Frieden in und zwischen den einzelnen Menschen: im Denken, Fühlen und Handeln, im Alltag jedes Individuums – in der Familie, in der Schule, am Arbeitsplatz und im öffentlichen Raum. Respekt, Toleranz, Empathie, Kompromissbereitschaft und die Fähigkeit zuzuhören sind unabdingbare Grundlagen eines friedlichen Zusammenlebens, die durch politische Gesetzgebung allein nicht entstehen können.
Frieden entsteht und bleibt erhalten, wenn Konflikte durch Argumente statt durch Hass, Gewalt oder Ausgrenzung gelöst werden, wenn Menschen ihre Interessen und unterschiedlichen Meinungen gewaltlos vertreten und politische Entscheidungen transparent getroffen werden, wenn Vertrauen in die Rechtsstaatlichkeit besteht und soziale Gerechtigkeit sowie die Achtung der Menschenwürde als gemeinsame Ziele angestrebt werden.
Studien deuten darauf hin, dass inklusive demokratische Institutionen, politische Beteiligungsmöglichkeiten und rechtsstaatliche Kontrollmechanismen das Risiko gewaltsamer Auseinandersetzungen deutlich verringern können. Eine nachhaltige Gesellschaft braucht nicht nur Frieden, Sicherheit, Gerechtigkeit, funktionierende Institutionen und transparente Entscheidungsprozesse. Sie braucht auch Menschen, die sich informieren und beteiligen können – und Institutionen, die ihnen zuhören.
Frieden und Gerechtigkeit
Friedlich können Gesellschaften nur sein, wenn ihre Mitglieder sich gerecht behandelt fühlen. Nimmt die wahrgenommene oder tatsächliche Ungerechtigkeit zu, wächst auch der Unfrieden.
Was als gerecht und fair gilt, muss – idealerweise demokratisch – ausgehandelt werden und hängt von den Wertvorstellungen einer Gesellschaft ab. Dabei stellen sich verschiedene Fragen: Sollen Güter, Geld und Chancen gleich verteilt werden (Verteilungsgerechtigkeit) oder nach individuellem Bedarf (Bedürfnisgerechtigkeit)? Haben alle Menschen unabhängig von Herkunft, Geschlecht oder sozialem Status gleiche Möglichkeiten (Chancengerechtigkeit) oder wird Leistung unterschiedlich gewichtet (Leistungsgerechtigkeit)? Und sollen für alle Menschen dieselben Rechte und Regeln gelten (Rechtsgerechtigkeit)?
Gemeinsame oder demokratisch vereinbarte Vorstellungen von Gerechtigkeit finden ihren Ausdruck in Regeln und Gesetzen. Sie werden durch unabhängige, wirksame und rechenschaftspflichtige Institutionen umgesetzt und überwacht. Internationale Vereinbarungen wie die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte der UN (1948) oder die Arabische Menschenrechtscharta (2004) sind Beispiele solcher gemeinsamen Regelwerke, die eine Grundlage für Gerechtigkeit schaffen wollen.
Auch die Vereinten Nationen wurden nach den Erfahrungen der beiden Weltkriege mit dem Ziel gegründet, politische Konflikte friedlich zu lösen, den Weltfrieden zu bewahren sowie gerechte und humane Lebensbedingungen für die Weltbevölkerung zu gewährleisten. Die UN-Charta setzt dabei auf internationale Zusammenarbeit, gemeinsam vereinbarte internationale Rechtsstandards und die Bereitschaft der einzenen Staaten, diese Vereinbarungen einzuhalten. Die Handlungs- und Durchsetzungsfähigkeit der UN wird allerdings durch starke Eigeninteressen und das Vetorecht der Großmächte, eine unzureichende Ausstattung mit Ressourcen sowie die mangelnde Kooperationsbereitschaft vieler Mitgliedstaaten stark eingeschränkt.
Die internationale Sicherheitsordnung ändert sich
Die Zunahme gewaltsamer Konflikte, eine sich verschärfende Klimakrise, Wasser- und Ressourcenknappheit, Cyberangriffe und hybride Kriegsführung sowie wachsende soziale Ungleichheiten und die Rückkehr klassischer Machtpolitik haben die internationale Sicherheitsordnung in den letzten Jahren grundlegend verändert.
Dass das globale Friedensniveau derzeit sinkt, zeigen die vom unabhängigen Institute for Economics and Peace erstellten Vergleichsanalysen, deren Ergebnisse im Global Peace Index (GPI) abgebildet werden. Das Friedensniveau eines Landes wird anhand verschiedener Indikatoren wie Kriminalität, politischer Stabilität, Terrorrisiken, Verwicklung in Kriege und Konflikte, Militärausgaben und Truppenstärke gemessen. Dabei wird auch der Alltag der Menschen berücksichtigt: Wie sicher fühlen sie sich? Wie stark ist ein Land militärisch geprägt?
Der GPI-Bericht 2026 macht deutlich, dass Konflikte global zunehmen und sich geopolitische Spannungen verschärfen. Seit Ende des Zweiten Weltkriegs gab es weltweit noch nie so viele aktive Konflikte wie heute. Auch die indirekte Verwicklung von Staaten in kriegerische Konflikte, etwa durch militärische Unterstützung oder geopolitische Bündnisse, nimmt zu.

Deutschland belegt im GPI 2026 Platz 28 und hat sich damit um acht Plätze gegenüber dem Vorjahr verschlechtert. Island bleibt zum 19. Mal in Folge das friedlichste Land der Welt, gefolgt von Neuseeland, der Schweiz, Slowenien, Irland, Österreich, Portugal, Singapur und Finnland.
Angesichts dieser globalen Entwicklungen und der Bedeutung von Sicherheit als überragendem Standortfaktor bleibt Frieden eine der wichtigsten politischen Zukunftsaufgaben des 21. Jahrhunderts. Dieser Aufgabe widmet sich das
SDG 16: Frieden, Gerechtigkeit und starke Institutionen
Ziel des SDG 16 ist es, friedliche und inklusive Gesellschaften zu fördern, allen Menschen Zugang zur Justiz zu ermöglichen und leistungsfähige, rechenschaftspflichtige und inklusive Institutionen auf allen Ebenen aufzubauen. Das SDG 16 umfasst zwölf Unterziele: von der Verringerung von Gewalt und dem Schutz von Kindern vor Missbrauch und Ausbeutung über die Stärkung von Rechtsstaatlichkeit, Korruptionsbekämpfung und die Eindämmung illegaler Finanz- und Waffenströme bis hin zur Förderung politischer Beteiligung, Informations- und Pressefreiheit, einer nicht-diskriminierenden Gesetzgebung und dem Schutz der Menschenrechte.
Das SDG 16 verbindet damit Frieden mit Demokratie und Menschenrechten, Rechtsstaatlichkeit, Transparenz und gesellschaftlicher Teilhabe. Die Zielvorgaben und einzusetzenden Mittel sind allerdings teilweise sehr allgemein gehalten, sodass die Überprüfung der Fortschritte schwierig ist. Eine Herausforderung ist vor allem die Datenbasis: Nur etwa jedes fünfte Land hat den Vereinten Nationen 2024 belastbare und vergleichbare Daten zum SDG 16 vorgelegt. Aber auch so ist die Zwischenbilanz nach rund elf Jahren trotz einzelner Verbesserungen ernüchternd. Insgesamt bleiben die Staaten bei diesem zentralen Ziel deutlich hinter dem notwendigen Tempo zurück.
Konflikte und organisierte Gewaltkriminalität, strukturelle Ungerechtigkeiten und Defizite beim Schutz der Menschenrechte bestehen global fort. In vielen Ländern haben Bürger:innen keinen sicheren und gleichberechtigten Zugang zur Justiz. Fast überall sind junge Menschen und Frauen – gemessen an ihrem Bevölkerungsanteil – in der Politik unterrepräsentiert. Globale politische Instabilität, schwankende Rohstoffpreise, illegale Finanzströme und hohe Verschuldung erschweren es vielen Regierungen, ihre Bevölkerung angemessen und verlässlich zu versorgen, soziale Ungerechtigkeit und Ungleichheit abzubauen und für künftige Krisen vorzusorgen (siehe den UN-Zwischenbericht zum SDG 16).
Was Unfrieden stiftet
Die Zunahme von Kriegen und gewaltsamen Konflikten führt zu steigenden Rüstungsausgaben und Waffenexporten: Die weltweiten Militärausgaben erreichen 2025 Rekordwerte. Die staatlichen Militärausgaben haben sich seit 2000 nahezu verdoppelt, und auch der illegale Waffenhandel boomt.
Kriege und organisierte Gewalt verursachen hohe Opferzahlen und treiben Millionen Menschen in die Flucht. Ende 2025 gab es weltweit rund 118 Millionen Flüchtlinge – 70 Prozent davon aufgrund anhaltender gewaltsamer Krisensituationen. Diese Zahl hat sich in den vergangenen zehn Jahren mehr als verdoppelt.

Laut Angaben der UNO gab es 2025 weltweit rund 245.000 Todesopfer infolge kriegerischer Konflikte und politischer Gewalt – darunter fünfmal so viele zivile Opfer wie im Vorjahr. Frauen und Kinder sind durch Krieg und Gewalt besonders gefährdet. Gewaltsame Konflikte zerstören Schulen, Gesundheitssysteme, Infrastruktur und wirtschaftliche Lebensgrundlagen und werfen nachhaltige Entwicklung um Jahre zurück.
Illegale Finanzströme, Schattenfinanzzentren und schädliche Steuervermeidungspraktiken bleiben eine erhebliche Belastung für die Weltwirtschaft und führen zu Steuerausfällen in Milliardenhöhe. Schätzungen gehen davon aus, dass Länder des Globalen Südens durch illegale Finanzströme – etwa aus organisierter Kriminalität, Steuerhinterziehung, Betrug, Geldwäsche oder Korruption – jährlich bis zu einer Billion US-Dollar verlieren (GIZ 2021) . Das ist sechsmal mehr, als sie an internationalen Entwicklungsfördermitteln erhalten. Ein großer Teil dieser Finanzströme landet in industrialisierten Staaten.
Illegale Finanzströme entziehen Ländern Mittel, die für Gesundheit, Bildung, Nahrung und die Stabilisierung von Rechtsinstitutionen benötigt werden, und gefährden damit Armutsbekämpfung und Menschenrechte. Unterfinanzierte Bildungs- und Gesundheitssysteme schränken insbesondere für Frauen und junge Menschen die Teilhabe am Wirtschaftsleben ein. Die Unterfinanzierung demokratischer Strukturen, oftmals verbunden mit Korruption, untergräbt zudem das Vertrauen in Justiz, Polizei und Verwaltung. Im Schattenfinanzindex des Tax Justice Network belegte Deutschland 2025 den sechsten, die USA den ersten Platz.
Auch die Korruption bleibt ein zentraler Indikator für die globale Erosion von Rechtsstaatlichkeit. Der Korruptionswahrnehmungsindex von Transparency International weist 2025 die niedrigsten Werte seit zehn Jahren auf. Dänemark führt die Liste zum achten Mal in Folge an, gefolgt von Finnland, Singapur, Neuseeland und Norwegen. Deutschland belegt Rang 10.
Mangelhafte Rechtsstaatlichkeit und ein fehlender Zugang zur Justiz gefährden ebenfalls nationale und globale Friedensprozesse. Rund ein Drittel der weltweit inhaftierten Menschen befindet sich ohne rechtskräftige Verurteilung in Haft (siehe: UN-Zwischenbericht zum SDG 16). Recht zu haben und Recht zu bekommen, sind demnach in vielen Ländern nicht dasselbe. Weniger Beachtung findet, dass weltweit rund 150 Millionen Kinder unter fünf Jahren nicht staatlich registriert sind. Ohne Papiere können sie ihre Rechte nur schwer geltend machen und müssen erhebliche Nachteile erdulden, etwa beim Erwerb einer Staatsbürgerschaft.
Zur Erosion der Rechtsstaatlichkeit gehören außerdem staatliche Restriktionen gegen NGOs, die Nicht-Einhaltung von Arbeitsrechten, Menschenrechtsverletzungen sowie die Diskriminierung und Verfolgung von Minderheiten. Auch fehlender Zugang zu verlässlichen Informationen, eingeschränkte politische Beteiligungsmöglichkeiten, die Unterdrückung von Presse- und Meinungsfreiheit sowie Repressalien gegen Journalist:innen gefährden den sozialen Frieden.
Um die Ziele von SDG 16 bis 2030 zu erreichen, müssten staatliche Einrichtungen besser darin werden, Ungleichheiten abzubauen und Gerechtigkeit für alle zu gewährleisten. Korruption und organisierte Kriminalität müssen bekämpft, die Rechtsstaatlichkeit gestärkt sowie Grundrechte und -freiheiten wirksam geschützt werden. Ebenso gilt es, Gewalt zu verringern, Rechtssicherheit zu schaffen, die Bevölkerung an politischen Entscheidungsprozessen zu beteiligen und illegale Finanz- und Waffenströme drastisch zu reduzieren (vgl. BMZ 2026).

Seit 2015 hat es beim SDG 16 weltweit Fortschritte gegeben: Die Rate vorsätzlicher Tötungen ist gesunken, mehr Länder verfügen über Menschenrechtsinstitutionen und der Zugang zu staatlichen Informationen wurde rechtlich in immer mehr Ländern verankert. Gleichzeitig zeigen anhaltende Kriege, politische Gewalt, Desinformation und Angriffe auf demokratische Institutionen und Menschenrechtsverteidiger:innen, wie zerbrechlich diese Fortschritte sind. Nach derzeitigem Stand wird das SDG 16 bis 2030 nicht erreicht werden können.
Frieden, Rechtsstaatlichkeit und Demokratie in Deutschland
Deutschland verfügt im internationalen Vergleich über relativ stabile rechtsstaatliche und demokratische Institutionen. Die Herausforderung besteht hierzulande vor allem darin, die Qualität, Zugänglichkeit und Glaubwürdigkeit dieser Institutionen dauerhaft zu sichern. Zu den Problemen gehören die Überlastung von Gerichten und Verwaltungen, lange umständliche Verfahren, ungleiche Möglichkeiten des Zugangs zum Recht, Diskriminierung von Bürger:innen sowie die Frage, wie politische Beteiligung unterschiedliche Bevölkerungsgruppen tatsächlich erreicht. Komplizierte Sprache oder schwer auffindbare Informationen können Bürger:innen faktisch von Beteiligung ausschließen. Das Deutsche Institut für Menschenrechte stellt in seinem 10. Bericht 2025 zudem fest, dass Rechtsstaat und Zivilgesellschaft in Deutschland zunehmend unter Druck stehen und dadurch Menschenrechte und Demokratie bedroht werden können.
Hinzu kommen Probleme durch Desinformation, digitale Manipulation, Hassrede und politische Polarisierung. Das Vertrauen in demokratische Institutionen kann daher auch hierzulande nicht als selbstverständlich angesehen werden. Zur Messung der Fortschritte beim SDG 16 existieren zudem nicht für alle globalen Indikatoren ausreichende Daten.
… und in Hamburg
Von Hamburg als Hafen- und Handelsstadt sagt man, dass hier die Welt zusammenkommt. Über Elbe und Hafen gelangen Menschen, Ideen und Handelsgüter aus aller Welt in die Stadt. Nach dem Zweiten Weltkrieg hat Hamburg in seiner Verfassung einen besonderen Anspruch festgeschrieben: Hamburg „will im Geiste des Friedens eine Mittlerin zwischen allen Erdteilen und Völkern der Welt sein“ (Präambel der Verfassung der Freien und Hansestadt Hamburg, 1952). Gleichzeitig ist die Geschichte Hamburgs kritisch zu betrachten, denn die Stadt war über Jahrhunderte in ungleichen Handel, Kolonialismus und Kriegswirtschaft verstrickt.
Für SDG 16 besonders relevant ist das Hamburgische Transparenzgesetz. Es verpflichtet die Verwaltung nicht nur dazu, Informationen auf Antrag zugänglich zu machen, sondern auch zahlreiche Dokumente und Daten aktiv im Transparenzportal zu veröffentlichen. Das stärkt die öffentliche Kontrolle und damit die Demokratie.
Auch direkte Demokratie ist in Hamburg verankert: Volkspetitionen, Volksinitiativen, Volksbegehren und Volksentscheide ermöglichen Bürger:innen, politische Entscheidungen unmittelbar zu beeinflussen – allerdings mit teilweise hohen Hürden. Zudem droht dem Volksabstimmungsgesetz eine geplante Verschärfung.
Beteiligung: das SDG 16 umsetzen
Jedes Engagement für demokratische Teilhabe, die Verringerung von Ungleichheit, die Wahrung der Menschenrechte, gegen Diskriminierung und Rassismus, für globale Gerechtigkeit oder Klimaschutz ist ein Beitrag zu einem friedlichen Miteinander. Der wichtigste Beitrag dieser Aktivitäten besteht darin, Demokratie als gemeinsame Praxis zu verstehen, politische Bildung voranzutreiben, transparente Entscheidungsprozesse einzufordern und Möglichkeiten zur Beteiligung zu nutzen.

Wer sich in Hamburg für Frieden, politische Bildung, Demokratie, Abrüstung und zivile Konfliktbearbeitung engagieren möchte, findet viele Gruppen, Initiativen und Netzwerke zu diesen Themen: z.B. die ver.di Arbeitskreise „Frieden“ und „Anti-Rassismus“, das Hamburger Forum für Völkerverständigung und weltweite Abrüstung e.V., das Bündnis 8. Mai, attac Hamburg – AG Frieden, peace brigades international oder das Netzwerk Friedenskooperative.
Hanseatic Help und die Ukraine Hilfe Hamburg verstehen ihre praktische humanitäre Hilfe ebenfalls als Beitrag zum Frieden und zur Solidarität. Die in verschiedenen Hamburger Gedenkstätten u.a. Einrichtungen tätigen Freiwilligen der Aktion Sühnezeichen Friedensdienste (ASF) setzen auf Versöhnung und Menschenrechte. Die Initiative Ziviler Hafen engagiert sich gegen den Transport von Rüstungsgütern über den Hamburger Hafen. Das Bündnis Kein NATO-Hafen engagiert sich gegen NATO-Manöver im Hamburger Hafen. Diese u.a. Organisationen setzen sich für sofortige Waffenstillstände, den Stopp von Rüstungsexporten und diplomatische Initiativen statt Aufrüstung ein.
Die Landeszentrale für politische Bildung bietet Informationen und Veranstaltungen zu Politik, Demokratie und gesellschaftlicher Verantwortung und will Menschen befähigen, politische Zusammenhänge kritisch zu beurteilen und aktiv am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen.
